Auwaldzecke

Eine neue Zeckenart, die Auwaldzecke, verbreitet sich in Deutschland und könnte neue, für den Menschen gefährliche Keime übertragen.
Die Auwald Zecke (Dermacentor reticulatus) ist dreimal so groß wie eine gewöhnliche Waldzecke. Wird man von ihr gestochen, spürt man ein starkes Brennen in der Nähe des Einstichs. Diese Zeckenart erkennt man an dem hellen Rückenschild mit braunen Streifen und Tüpfelung (Weibchen) oder an einer blau-grauen Zeichnung auf dem Rückenschild (Männchen).

Eigentlich ist diese Zeckenart in süd- und osteuropäischen Ländern verbreitet und dort Überträger von Krankheiten wie Fleckfieber oder der tödlichen Hundebabesiose. Schon vor einigen Jahren fand man die ersten Exemplare dieser Zeckenart in Deutschland, jetzt aber breitet sie sich von Süden kommend immer weiter in Richtung Norden aus. Diese Zecken sind im Gegensatz zur heimischen Zecke aktiv auf Beutesuche. Sie sind aggressiv und lauffreudig. Förster haben beobachtet, dass sich die Weibchen in einem Umkreis von einem Meter aktiv auf sie zu bewegen, um zu stechen.

Das Robert-Koch-Institut schreibt in einem Bulletin: „Die Auwaldzecke ist nach Untersuchungsergebnissen in südeuropäischen und osteuropäischen Ländern bekannt als Vektor für verschiedene Krankheitserreger. FSME-Viren und Borrelien spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wesentlich bedeutsamer sind Francisella tularensis, Coxiella burnetii, Rickettsien der Fleckfieber-Gruppe, aber auch das in Sibirien endemische Virus des Omsker Hämorrhagischen Fiebers. Bedeutung erlangt Dermacentor reticulatus auch als Überträger von Babesia canis, dem Erreger der für Hunde sehr gefährlichen Hundebabesiose.“
Alle diese Krankheiten, bis auf die Hundebabesiose, sind bis jetzt in Deutschland unbekannt, könnten aber in Zukunft zur Gefahr werden.

Hundehalter sollten ihren Hund nach einem Waldsparziergang sorgfältig nach Zecken absuchen. Zeigt er Symptome wie Übelkeit und ist sehr matt, sollte man sofort einen Tierarzt aufsuchen. In diesem frühen Stadium lässt sich eine Hundebabesiose noch gut behandeln. Kommt die Behandlung jedoch zu spät, führt diese Krankheit fast immer zum Tod.

Noch weiß man nicht, ob die in unseren Wäldern aufgetauchten neuen Zecken die oben genannten Erreger bereits importiert haben. Erste Untersuchungen sprechen dafür. Noch sind für die Risikoeinschätzung weitere Feldstudien notwendig. Vorbeugend sollte man aber schon jetzt bei Erkrankungen nach Stichen durch „ungewöhnliche“ Zecken auch „ungewöhnliche“ Infektionen erwägen.

Man weiß auch noch nicht, ob nicht weitere Zeckenarten, bedingt durch den Klimawandel in Deutschland heimisch werden. Experten, wie Peter Kimming vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, rechnen mit immer neuen Zeckenarten, die eigentlich nicht nach Deutschland gehören. Besonders in einem warmen Sommer können sich die Jungtiere besonders gut entwickeln. Auch entstehen durch die Renaturierung landwirtschaftlicher Nutzflächen neue Lebensräume für Zecken. Eine Zunahme von Wildschweinen und kleinen Nagern als Wirtstiere begünstigt die Verbreitung.

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