23.06.2010
Blutsauger in Kindergärten und Grundschulen?
Läuse


Sie wohnen in der Lockenpracht und im Pferdeschwanz, überleben aber auch kurze Zeit im Kopfkissen, im Kamm und in Mützen. Die Rede ist von Kopfläusen, Pediculus humanus capitis - so der wissenschaftliche Name. Augenblicklich treten Sie wieder vermehrt in Kindergärten und Grundschulen auf. Für die Eltern ist es manchmal ein Schock, wenn ihr Kind Läuse hat, und sie schämen sich für den Parasitenbefall. Dabei ist der Nissenbefall keineswegs ein Zeichen mangelnder Körperhygiene.

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Kopfläuse

Kinderärzte halten Kopfläuse für eine der am weitesten verbreiteten ansteckenden Kinderkrankheiten überhaupt. Bevorzugte Opfer der Läuse sind zwischen 5-10 Jahre alt. Da Kinder in diesem Alter die Köpfe beim Spielen gerne zusammen stecken, können sie sich besonders schnell ausbreiten. Zwar können Kopfläuse weder springen noch fliegen und sind außerhalb des menschlichen Wirtes nur begrenzt lebensfähig, trotzdem findet man sie in Bürsten und Kämmen, gelegentlich auch im Fahrradhelm oder in den Kopfstützen des Kindersitzes.

Was tun gegen Kopfläuse?

Es liegt nicht an mangelnder Hygiene, dass sich der Läusebefall in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat. Alle Gesellschaftsschichten sind betroffen, unabhängig vom sozialen Status. Laut Robert-Koch-Institut ist es die zunehmende Resistenz gegen die bekannten, nicht risikolosen, chemischen und synthetischen antiparasitären Mittel. Fast alle Shampoos zur Bekämpfung von Läusen sind apothekenpflichtig und enthalten die natürlichen oder synthetischen Nervengifte Pyrethum oder seine Abkömmlinge wie Permethin und Allethrin. Jetzt haben auch Wissenschaftler der Uni Kiel in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass die Läuse durch eine Genveränderung immer resistenter gegenüber Pyrethum werden.

Das erste Anzeichen von Läusebefall ist häufig starker Juckreiz. Jetzt sollte man das Haar sorgfältig untersuchen, am besten mit einem Nissenkamm. Dazu spreitet man das Haar mit einem Kamm Strich für Strich auseinander. Häufig findet man dann die Läuseeier, die so genannten Nissen. Man erkennt sie mit dem bloßen Auge als kleine weiße Punkte. Anders als Schuppen kleben sie besonders in der Nähe der Haarwurzel an den Haaren fest. Bevorzugte Stellen sind der Schläfen- Ohren- und Nackenbereich.
Anschließend muss das Haar gründlich mit einem Spezialshampoo gewaschen werden.

Niemshampoo gegen LäuseVor einigen Jahren hat die Hobbythek Niem als effektives Mittel zur Bekämpfung von Kopfläusen entdeckt. Niem, ein Baum beheimatet in tropischen Breiten wie Burma oder Indien, war vor der Entdeckung durch die Hobbythek 1995 fast unbekannt. Heute wird er sehr erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung eingesetzt und ist sogar in der Biolandwirtschaft zugelassen.

Niem-Shampoo wurde 1995 in einem Großversuch getestet. In einem Kindergarten in Chile, der häufig von Parasiten wie Läusen, Flöhen und Krätzmilben heimgesucht wurde, mussten die Kinder sich im Rahmen dieses Projektes regelmäßig die Haare mit Niem-Shampoo waschen. Durch den Einsatz dieses Shampoos gelang es, den Kindergarten völlig schädlingsfrei zu halten.

Das im Shampoo eingesetzte Niemöl verändert den Stoffwechsel der Läuse, macht sie unfruchtbar und unterbindet das Nissenwachstum. Gleichzeitig hat Niem-Shampoo eine vorbeugende Wirkung, denn die Läuse meiden Haare, die mit Niem gewaschen wurden. Trotzdem sollte man, nach einem Befall, die Haare immer wieder mit einem Nissenkamm kontrollieren.

Bei einem Läusebefall müssen auch alle Haarutensilien und Gegenstände mit direktem Kopfkontakt von möglichen Läusen befreit werden. Alle waschbaren Sachen möglichst bei 60°C waschen, Bürsten und Kämme mit heißem Wasser übergießen. Alle Familienmitglieder sollten sich gegenseitig auf Kopfläuse absuchen. Vorbeugend können auch sie das Niemshampoo benutzen. Da Läuse nach 55 Stunden ohne Nahrungsaufnahme sterben und nur auf dem menschlichen Wirt überleben können, kann man Läuse, die sich möglicherweise auf nicht täglich benutzten Gegenständen befinden, einfach aushungern.

Die Kopflaus

(Pediculus humanus capitis)

KopflausDie Larven schlüpfen nach 7-8 Tagen und die leeren Eier wachsen mit den Haaren nach oben aus. Der gesamte Zyklus von Ei zum Ei der nächsten Generation beträgt 18-21 Tage. Je wärmer es ist, desto schneller läuft die Entwicklung ab.
Kopfläuse springen oder fliegen nicht von Kopf zu Kopf. Auch Haustiere sind keine Gefahr. Sie nutzen jedoch jeden, auch noch so kurzen Körperkontakt um den Wirt zu wechseln. Die Übertragung geschieht normalerweise durch direkten Haarkontakt, z.B. beim Kuscheln, Schmusen oder wenn Kinder beim Spielen die Köpfe zusammen stecken.
Läuse in der Schule.

Sind Läuse in der Schule ausgebrochen, gibt es genaue Vorschriften, wie die Schule damit zu verfahren hat.
Schüler werden nicht mehr grundsätzlich vom Schulbesuch ausgeschlossen, wenn die Eltern eine korrekte Behandlung des Kopflausbefalls oder die Untersuchung ihrer Kinder schriftlich bestätigen. Die völlige Freiheit vom Befall mit Nissen wird nicht mehr gefordert und daher auch nicht mehr durch das Gesundheitsamt überprüft. Bei einem Läusebefall des Kindes sind die Eltern jedoch verpflichtet dieses sofort der Schule zu melden.

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