Warum die richtige Auswahl der Pflanzenöle für eine Creme so wichtig ist

Grundlagen der Creme Herstellung

Die Basis einer selbst gemachten Creme

Die Basis einer Creme besteht aus den eingesetzten Pflanzenölen und Wachsen. Daraus entsteht mit Hilfe eines Emulgators und Wasser eine Emulsion. Neben ihrer spezifischen Fettsäurenstruktur enthalten Pflanzenöle auch unverseifbare Fettbegleitstoffe. Zum Beispiel: Lecithine, Phytosterole, Vitamine und Squalane. Nicht nur für den Fettanteil in der Creme sorgen sie. Gleichzeitig sind sie wirksame Pflegekomponenten. Geschickt zusammengestellt können sie den Pflegegehalt einer Creme erheblich steigern.

Alle Pflanzenöle enthalten unterschiedlich große Anteile an Fettsäuren. Zum Beispiel: Öl-, Linol-, Palmitin-, Palmitolein-, Stearin und Linolsäuren. Jedes Öl hat jedoch einen anderen Fettsäure Schwerpunkt. Daher ist es sinnvoll, sich ergänzende Öle auszusuchen.

Die unterschiedlichen Pflanzenöle

Man teilt die Pflanzenöle in drei Gruppen ein: trocken, halbtrocken und nicht trocken. Bestimmend hierfür ist die Geschwindigkeit, mit der das Öl mit Sauerstoff reagiert. Je höher die Jodzahl, desto höher ist der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Das richtigen Pflanzenöle sind für die Kosmetik Herstellung wichtig.
Pflanzenöl auswählen

Trockene Pflanzenöle mit einer Jodzahl über 170 enthalten viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Diese reagieren schnell. Hierzu gehören Weizenkeimöl und Sonnenblumenöl.
Halbtrockene Pflanzenöle mit einer Jodzahl zwischen 100-170 reagieren mittelschnell bis langsam. Hierzu gehören Macadamianussöl, Mandelöl, Olivenöl und Avocadoöl.
Nicht trockene Pflanzenöle mit einer Jodzahl bis 100 sind sehr oxydationsstabil. Darum sind sie gut geeignet für Sonnenkosmetik. Zu diesen Ölen gehören Kokosöl, Jojobaöl und Squalan.

Diese Einteilung sagt nichts über den Pflegegehalt eines Öles aus. Bei der Auswahl der Pflanzenöle sollte man die Stabilität der Öle berücksichtigen. Gerade im Sommer gehören stabile Öle in die Tagescreme oder die Sonnen Kosmetik. In der Nachtpflege setzt man instabile Planzenöle ein. Bei der Oxidation empfindlicher Öle können unter Sonneneinfluss nicht nur Pigmentflecken entstehen. Auch Sonnenallergie und andere Hautirritationen können empfindliche Haut schädigen. Eine gut zusammengestellte Ölmischung enthält immer einen Anteil (ca. 20%) stabilisierende Öle. Diese stabilisieren auch instabile Öle, besonders Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie die empfindlichen Wirkstofföle.

Das Spreitverhalten der Pflanzenöle

Eine weitere wichtige Komponente für die richtige Auswahl der Pflanzenöle ist das  Spreitverhalten der Öle auf der Haut. Manche Öle liegen wie ein Film auf der Haut. Andere verteilen sich gut und ziehen schnell ein. Einige Öle erzeugen ein schnelles angenehmes Glättegefühl, das aber nicht lange vorhält. Andere glätten die Haut über einen längeren Zeitpunkt. Die Öle, mit dem am schnellsten spreitenden Lipiden sind Squalan und Kokosöl. Alle anderen Öle sind eher langsam spreitend.

Hochspreitende Pflanzenöle verteilen sich sehr gut auf der Haut. Sie fetten kaum und wirken sehr leicht. Das Glättegefühl auf der Haut hält jedoch nicht sehr lange vor. Beispiel: Squalan
Mittelspreitende Pflanzenöle verteilen sich gut. Sie ziehen gut ein. Sie glätten die Haut über einen längeren Zeitraum. Hierzu gehören Mandel-, Avocado-, und Nachtkerzenöl.
Niedrigspreitende Pflanzenöle haben ein deutlich geringer ausgeprägtes Glättegefühl. Dieses hält aber sehr lange an. Daher eignen sie sich besonders gut für Pflegepräparate im Augenbereich. Beispiel: Sheabutter.

Die richtigen Pflanzenöle
Pflanzenöle

Wenn man eine selbst gerührte Creme plant, sollte man Pflanzenöle einsetzen, die alle Spreittypen berücksichtigen. Denn eine Creme soll sich angenehm auftragen lassen. Sie soll leicht oder kaum fettend wirken. Und trotzdem soll sie ein langes Glättegefühl haben.

Die Zusammenstellung der Fettphase einer selbst gerührten Creme.

  1. Die Basis
    Für die Basis einer Creme empfehlen wir  Avocado-, Macadamianuss-, Mandel- oder Olivenöl. Diese Öle sind mittelspreitend und ausgesprochen pflegend. Kombinieren Sie diese Öle mit stabilisierenden Ölen wie Squalan oder Jojobaöl. Das schnell spreitende Squalan sorgt für sehr leichte, kaum fettende Rezepturen. Jojobaöl stabilisiert möglicherweise instabile Öle (wie z.B. Nachtkerzenöl). Es hat eine lang anhaltende, schützende Wirkung. Außerdem fettet es nicht.
  2. Pflanzenbutter
    Pflanzenbutter wie Kakaobutter oder Sheabutter sorgen nicht nur für die richtige Konsistenz der Creme. Auch wirken sie rückfettend und schützend. Durch ihr niedriges Spreitverhalten hält das Glättegefühl lange an.
  3. Wirkstofföle
    Die Wirkstofföle sollten nicht mehr als 5-10 % des Gesamtanteils der Öle ausmachen. Man sucht sie nach Hauttyp oder Pflegeproblem aus. Stark zellregenerierende, zellaktivierende Öle sind Sanddornkernöl oder Sanddornfruchtfleischöl. Aber auch Hagebuttenkernöl, Nachtkerzenöl oder Schwarzkümmelöl. Diese Öle sind jedoch sehr instabil. Darum sollten sie nicht in Sonnenkosmetik eingesetzt werden.

Pflanzenöle – Vorschläge für sinnvolle Kombinationen

Junge Haut: Jojobaöl, Kokosöl, Sheabutter
Trockene Haut: Jojobaöl, Macadamianussöl, Nachtkerzenöl, Sheabutter oder Squalan, Avocadoöl, Nachtkerzenöl, Sanddornfruchtfleischöl
Reife Haut: Squalan, Avovadoöl, Arganöl, Hagebuttenkernöl, Sheabutter

Rezept für eine Creme für trockene, reife Haut

Fettphase
14 g Emulsan
4,5 g Squalan
9 g Jojobaöl
45 g Avocadoöl
9 g Mandelöl
18 g Sheabutter

20 g Fettphase : 30-40 g Wasser

Wirkstoffe:
2,5 ml Glycerin
2,5 g Harnstoff (in etwas Wasser vorlösen). Der Wasseranteil muss von der Wasserphase abgerechnet werden. Harnstoff darf nicht erhitzt werden.
2-3 Tr. Sanddornöl

Konservierung
3,4 – 4 g Alkohol (96%). Der Alkoholanteil richtet sich nach der Menge des eingesetzten Wassers.
Biogard: 6 Tr.
Haltbarkeit: ca. 8-12 Wochen

Quellangabe: Heike Käser „Naturkosmetik selber machen. Das Handbuch“ ISBN 978-3-99025-049-5