Beeinflusst unser Darmmikrobiom unsere Psyche?

Gibt es eine Verbindung zwischen Darm und Psyche, wie wirkt sich das Darmmikrobiom auf das Gehirn aus? 

In unserem Darm leben ca. 38 Billionen Bakterien. Sie wiegen ca. 2 Kilogramm und bestehen aus mehreren Zehntausend verschiedener Bakterienarten. Einige davon sind nicht gut für uns, da sie uns u.a. mit Bauchschmerzen quälen können. Andere jedoch fördern unsere Verdauung und stimulieren das Immunsystem. Das Mikrobiom ist unser persönlicher Fingerabdruck. Es ist eine Mischung aus ererbten Faktoren und unseren Ernährungsgewohnheiten.

Wie sind Darm und Hirn miteinander verbunden?

Die Wissenschaft lernt immer mehr, dass auch Darm und Hirn miteinander verbunden sind. Das Darmmikrobiom beeinflusst anscheinend stärker, als bis jetzt angenommen, unser Gehirn. „Die Darmbakterien bilden selbst Neurotransmitter, die auch Veränderungen im Gehirn auslösen können“, sagt Professorin Undine Lang, Direktorin der Privatklinik der Universitäreren Psychiatrischen Kliniken in Basel (Schweiz). Doch steht die Wissenschaft hier noch ganz am Anfang. Denn die Neurotransmitter aus dem Darm haben zwar eine Bedeutung für die Erklärung und Entstehung affektiver Störungen, aber es gibt viele Wege, wie Darm und Hirn miteinander kommunizieren können.  Sie können über die Nerven kommunizieren indem sie Signale an das Gehirn schicken oder aber über Darmhormone wie Ghrelin und Leptin. Aber es gibt noch viele unbekannte Kommunikationswege.

Welche Rolle spielt Serotonin?

Bei vielen psychischen Erkrankungen geht man von einer Fehlfunktion im serotonergen System aus. Denn man bringt depressive Verstimmungen, Angst- und Zwangsstörungen, Migräne, aber auch Schlaf- und Essstörungen mit dem Botenstoff Serotonin in Verbindung. Gebildet wird Serotonin aus der Aminosäure Tryptophan. Diese Aminosäure kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Bei einem reduzierten Serotoninspiegel geht man von einem erhöhten Risiko für depressive Verstimmungen aus. Serotonin spielt jedoch nicht nur im Gehirn eine Rolle, denn auch der Darm ist ein Serotonin Speicher. Dieser Speicher kann, wie auch genetische Veranlagungen, eine Rolle bei Depressionen spielen.

Wenn jedoch der Darm unsere Psyche beeinflussen kann, ist dann nicht auch unsere Ernährung wichtig?

Die Ärztin Frau Lang: „Man ist mittlerweile so weit, dass man zumindest sagen kann, dass gewisse Vitamine bestimmte depressive Symptome ausgleichen können. Dazu gehören Vitamin B6, B12, Vitamin D so wie Folsäure, Zink, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren. Wir sind aber leider noch weit davon entfernt, mit Sicherheit sagen zu können, dass die Zufuhr von gewissen Bakterienstämmen Depressionen tatsächlich bekämpfen kann“.

Sicher ist jedoch, dass die Ernährung direkt die Darmmikrobiata beeinflusst, die wiederum die Entwicklung von Neurotransmitter-Gehirnsystemen zu beeinflussen scheint. Noch ist unerforscht in wieweit Vitamine und Spurenelemente vorbeugend die Psyche stärken können. Jedoch können probiotische Lebensmittel wie Milchprodukte und Joghurt oder Käse die Stimmung erwiesenermaßen verbessern.

Ballaststoffe für das Darmmikrobiom
Das Darmmikrobiom braucht Ballaststoffe

Auch eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Kartoffeln, Pilzen, Fisch und Vollkornprodukten könnte das Risiko senken. Noch kann man nicht genau sagen, was zu einer mikrobiellen Zusammensetzung im Darm führt. Der Ernährungswissenschaftler Professor Dirk Haller vom Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie (Technische Universität München): „Was man wirklich sagen kann ist, dass die Zugabe von Ballaststoffen dabei eine große Rolle spielt“.  Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag.

Bei der Behandlung von Depressionen sind Sport und viel Bewegung heute schon ein fester Bestandteil der Behandlungsleitlinien. Für die optimale Ernährung gibt es bis jetzt jedoch noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz. Man ist sich unter Experten jedoch sicher, dass die Ernährung eine immer größere Rolle bei der Behandlung psychischer Erkrankungen spielen wird. Schon der griechische Arzt Hippokrates sagte: „Der Darm ist der Vater aller Trübsal“.

Ernährungsaspekte der Depression von Prof. Udine Lang

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