Das faszinierende Internet des Waldes (www=wood wide web)

Unter unseren Waldböden befindet sich ein gigantisches Wurzelnetzwerk von Mykorrhiza, über das alle Pflanzen im Wald kommunizieren. Dieses Pilzgeflecht, die Mykorrhiza, bildet mit den Pflanzen eine Zweckgemeinschaft. Es liefert dank der langen Fäden aus dem umliegenden Boden Wasser und Mineralstoffe zu den Pflanzen, die diese selbst nicht so effizient einsammeln könnten. Im Tausch liefert die Pflanze den Pilzen Glukose aus der Fotosynthese, um den Energiebedarf zu decken.

Der Pilz bildet einen dichten Mantel um die äußersten Feinwurzeln des Baumes.
Foto: Simon Egli (WSL)

Diese Symbiose ist ein komplexes Netzwerk mit zahlreichen (potenziellen) Partnern. Wie Wirt und Symbiont langfristig einen fairen und gleichberechtigten Nährstoffhandel aufrechterhalten, ohne ausgebeutet zu werden, war bislang unklar. Man vermutete jedoch, dass in der Symbiose die Pflanze den kleineren Symbionten dominiert. Laborexperimente mit Schneckenklee (Medicago truncatula), einer Modellpflanze für Leguminosen, weisen nun darauf hin, dass Pflanzen und Pilze über Mechanismen verfügen, mit denen sie auf Veränderungen im Nähstoffangebot wie auf einem „biologischen Markt“ reagieren können. Die spendabelsten Partner im Netzwerk werden dabei belohnt und eine langfristige Kooperation zu beiderseitigem Nutzen etabliert. (Symbiose als Nährstoffmarkt Redaktion Pflanzenforschung 17.08.2011)

Georg-August-Universität Göttingen Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Georg-August-Universität Göttingen

Aber die Mykorrhiza dient nicht nur der Nährstoffbeschaffung. Mit ihrem Pilzgeflecht können sich Pflanzen untereinander warnen, z. B. die Abwehrmechanismen bei drohender Gefahr durch Schädlinge zu aktivieren.

2010 entdeckte ein Team um den chinesischen Biologen Yuan Yuan Song (Universität Guangzhou), dass Tomaten über das Mykorrhizza-Netzwerk einander vor Mehltaupilzen warnen.
Die Myrrkorrhiza-Pilze sind außerdem eine Art Filter, denn sie halten Schwermetalle zurück, die sonst über die Wurzeln vom Baum aufgenommen würden. Eine ausgeprägte Mykorrhiza macht die Pflanzen weniger anfällig gegenüber Frost und anderen Stressfaktoren. Sie erhöht die Abwehrkräfte gegen krankheitserregende Bodenorganismen.

Die geheime Sprache der Pilze

Auch der Duft der Pilze spielt eine große Rolle, wie jetzt ein Forscherteam der Universitäten Göttingen und Freiburg sowie des Helmholtz Zentrums München herausfand. Die Forscher entdeckten einen Zusammenhang zwischen den Duftstoffen von Pilzen und dem Wurzelwachstum von Pflanzen. Sie konnten zeigen, dass die Signalwege in der Wurzelspitze auf die Pilzdüfte reagieren und das Wurzelwachstum anregen.

http://www.uni-goettingen.de/de/duefte-die-geheime-sprache-der-pilze/508261.html

Mykorrhiza-Geflechte sind also weit mehr als bloße Nährstoffbeschaffer. Über achtzig Prozent aller Landpflanzen sind über Pilze miteinander verwoben. Welchen Vorteil die unterirdische Kommunikation gegenüber jener durch die Luft hat und welche Botschaften sonst noch verteilt werden, ist ungewiss. Hier steht die Forschung noch ganz am Anfang.

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