Rechtsdrehende oder linksdrehende Joghurt Kulturen?

Der große Flop der Wissenschaft.

Milchsäure ist das zentrale Stoffwechselprodukt der Milchsäurebakterien. Dabei lassen sich zwei Arten, nämlich die rechtsdrehende oder L(+)- und die linksdrehende oder D(-)-Milchsäure unterscheiden. Beide Milchsäuren sind chemisch identisch, unterscheiden sich jedoch in ihrer räumlichen Anordnung: Ihre Moleküle passen wie Bild und Spiegel zu einander, vergleichbar mit unserer rechten und linken Hand. Dieser Unterschied äußerst sich in einer physikalisch-chemischen Eigenschaft der Milchsäure, nämlich in ihrer sogenannten optischen Aktivität. Die optische Aktivität entsteht durch die räumliche Anordnung des Moleküls und besagt, dass Licht einer Schwingungsebene beim Durchtritt durch das Molekül nach links (-) bzw. rechts (+) gedreht wird.

Nun kann unsere Körper linksdrehende Milchsäure nicht selber herstellen und baut sie im Vergleich zu der rechtsdrehenden Form auch etwas langsamer ab. Diese harmlose Eigenschaft des Moleküls wurde für eine Übersäuerung des Blutes (Azidose) verantwortlich gemacht. Sogar die WHO und die FAO glaubten diese kühnen Behauptungen zunächst und erließen sogar eine Höchstmengen Begrenzung für D(-)-Milchsäure. Erst 1974 wurde diese Entscheidung aufgehoben, da sie wissenschaftlich nicht haltbar war. Doch die Diskussion ist bis heute nicht verstummt. Heute wissen wir , dass sogar eine Reihe von Milchsäurebakterien, die als besonders gesund gelten, überwiegend D(-)-Milchsäure produzieren. Zu ihnen zählen z.B. Lactobacillus acidophilus und Lactobacillus bulgaricus .

Bulgarischer und  griechischer Joghurt, mild säuerlich.

Der traditionelle Joghurt stammt eigentlich aus Bulgarien. Ein Nomadenvolk aus Zentralasien soll als erste Milch fermentiert haben. Im Dreiländereck Griechenland, Bulgarien und Türkei wird Joghurt aus dem Lactobacillus bulgaricus gemacht. Er ist vom Geschmack frisch, leicht säuerlich. Der beste Joghurt entsteht jedoch aus Schafmilch, da sie das meiste Fett enthält.

Lactobacillus bulgaricus, wirksam gegen Parkinson?

»Dresdner Forscher finden Wirkstoff gegen Parkinson«, titelte die Sächsische Zeitung am 31. Juli 2014 sogar auf Seite 1. Der Bericht löste eine Welle an Beiträgen in Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen aus, die oft die vom Institut kommunizierte Chance auf eine Therapie zum gefundenen Wirkstoff verkürzten.

Das Max Planck Institut teilt dazu mit: „Die große Vision, die am Ende steht, ist wohl eher kein Joghurt, sondern ein Arzneimittel: Aber wir müssen herausfinden, welche Konzentration, welche Dosen der Substanz wirklich wirksam sind, und wie genau sie wirken. Das wird noch einige Jahre dauern.“

Weitere Informationen zu diesem Thema:

https://parkinson.mpi-cbg.de/