Wie das Riechen unser Leben bestimmt

Unsere Nase ist das bisher am wenigsten erforschte Organ. Erst 1991 wurden die 350 Riechrezeptoren von der amerikanischen Forscherin Linda Buck entdeckt, die dafür den Nobelpreis erhielt. Langsam beginnt man zu ahnen, wie das Riechen funktioniert und wie sehr es unser ganzes Leben steuert.

Solange wir atmen, riechen wir. Düfte steuern unser gesamtes Leben. Alles was mit Düften zusammen abgespeichert wird, bleibt länger in unserem Gedächtnis. Dieses liegt wahrscheinlich daran, dass das Riechen der älteste und ursprünglichste der menschlichen Sinne ist. Als das Leben auf der Erde entstand war es wichtig, Düfte besonders lange zu behalten.

Rosenduft

Auf die Welt kommen wir völlig neutral ohne angeborene Duftvorlieben. Geprägt wird unser Duftempfinden durch unsere weitere Entwicklung, den Kulturkreis in dem wir aufwachsen, durch die Mutter und unsere Erziehung. Düfte sind immer an gute oder schlechte Ereignisse gekoppelt und daher empfinden wir gewisse Düfte  als unangenehm oder angenehm. Sie wecken Gefühle, Erinnerungen und Stimmungen, lange bevor unser Verstand davon erfährt. Der Genuss von gutem Essen und Trinken geht genauso durch die Nase, wie die Liebe. Auch der Handel verführt uns mit Düften zum Kauf.

„Vorwitzig und flüchtig, süß und unvergänglich
– der Duft und das Vergnügen eines Augenblicks“

William Shakespeare

Unser Geruchssinn entscheidet über Lust und Ekel, Sympathie und Antipathie, manipuliert uns zu blinder Verliebtheit und triumphiert oft über jede Vernunft.

Wie Riechen und Düfte unser Leben bestimmen

Maiglöckchen

Hanns Hatt, der bekannteste deutsche Geruchsforscher und sein Team an der Ruhr Universität Bochum haben entdeckt, dass auch andere Körperteile in der Lage sind Duftstoffe zu erkennen. Er fand mit seinem Team heraus, dass Eizellen eine Art „Maiglöckchenduft“ verströmen und die Spermien sich mit Hilfe dieses Duftes orientieren, um ihren Weg zur Befruchtung zu finden. Ohne diesen Blütenduft würden sich die Spermien in den Weiten des Eileiters verirren, und wir wären schon längst ausgestorben. Inzwischen fand man auch einen Antiduft, der die Spermien orientierungslos machte. Jedoch der Weg zu einem Verhütungsmittel auf Duftbasis ist noch sehr weit.

Jetzt entdeckte das Forscherteam um Professor Hatt auch den ersten Pheromonrezeptor. Der Duft der den Rezeptor ansprach, aktivierte Hirnregionen, die emotionales Verhalten steuern. Was er auslöst ist noch unbekannt, sicher ist jedoch schon jetzt, dass keine totale Enthemmung stattfindet.

Düfte spielen bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle. Da die Natur an der Arterhaltung besonders interessiert ist, hat sie uns empfänglich für erotische Botschaften gemacht. In einer Studie der Universität Bern konnte man nachweisen, dass Frauen tendenziell den Körpergeruch von jenen Männern als besonders anziehend empfinden, deren genetische Eigenschaften im Bezug auf die Fortpflanzung am optimalsten zu den genetischen Informationen der Frauen passten. Hanns Hatt: „Man erriecht die genetische Veranlagung des anderen. Je stärker sie sich von der Eigenen unterscheidet, desto angenehmer riecht es für uns.“ Die Natur sorgt so dafür, dass sich das Genmaterial möglichst weit verbreitet. Das Fazit von Hanns Hatt lautet also: „Liebe geht durch die Nase“.

Nehmen Frauen die Pille, verändert sich ihre Wahl. Jetzt suchen sie ähnlich riechende Männer. Die Einnahme der Pille beeinflusst also die Partnerwahl. Kann es sein, dass das verantwortlich ist für Kinderwunsch-Probleme und erhöhte Scheidungsraten? Noch weiß es niemand.

Interessieren Sie sich für weitere interessante Neuigkeiten um das spannende Duftthema, empfehlen wir Ihnen das Buch von Hanns Hatt und Regine Dee: „Das Maiglöckchen-Phänomen“, erschienen im Piper Verlag.

Alles über das Riechen von Prof. Dr. Dr. Hanns Hatt

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