Mehr Rationalität statt Heureka-Politik
- wie wir von fossilen Energien unabhängig werden.
Pünktlich zum 90. Geburtstag von Jean Pütz erscheint sein neues Buch. Darin plädiert er für eine globale Methanol Wirtschaft – und für mehr Vernunft in der Energiepolitik. Das Buch ist von einer Überzeugung getragen, die Jean Pütz durch sein gesamtes Berufsleben begleitet hat: Wissenschaft muss verständlich sein, und technische Lösungen müssen sich in der Praxis bewähren.
In seinem Buch greift er die größten Widersprüche auf, die bisher verhindert haben, dass regenerative Energien eine Chance bekommen. Die Physik macht uns vor, wie die Sonne mit ihrer Fusionsenergie unmittelbar angezapft werden kann, denn Photovoltaik ermöglicht es, die Sonne direkt in elektrische Energie umzuwandeln. Aber es bedarf eines weiteren regenerativen Energieträgers, insbesondere für den Wärmesektor.
„Wir brauchen nur zwei Energieformen: erstens elektrischen Strom, zweitens einen flüssigen Energieträger“, lautet eine zentrale Aussage des Buches. Für diesen zweiten Baustein hält Pütz Methanol für besonders geeignet.
Elektrischer Strom aus Sonnenenergie ist unverzichtbar. Doch Strom allein löst nach Ansicht von Jean Pütz nicht alle Energieprobleme. Energie wird nicht nur dann benötigt, wenn gerade die Sonne scheint oder der Wind weht. Sie muss gespeichert, über große Entfernungen transportiert und auch für Schiffe, Flugzeuge, Industrieanlagen und andere schwer elektrifizierbare Anwendungen verfügbar gemacht werden.
Methanol statt Wasserstoff
Jean Pütz räumt mit dem großen Irrtum auf, dass Wasserstoffgas eine sinnvolle Lösung für unsere Energieversorgung darstellt. Die dafür notwendigen Investitionen in die Infrastruktur kann sich kein Staat leisten. Stattdessen plädiert er für eine Produktion von Methanol in den sonnenreichen Wüsten der Dritte-Welt-Länder. Die notwendigen Photovoltaikflächen sollten wir Industrieländer als Ersatz für die schlimmen Verbrechen während der Kolonialzeit kostenlos liefern. Es gibt nämlich eine Methode, mit der preiswertes Methanol den Traum von der regenerativen Energie wahr macht. Und zwar für alle Zeiten und weltweit. Die derzeitigen Methoden schaffen keine Verbesserung, wie man an der Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre ablesen kann. Methanol ist bei normalen Umgebungsbedingungen flüssig, ähnlich wie Erdöl und seine Derivate. Daher lässt sich die bestehende Transportinfrastruktur – Tankschiffe, Pipelines, Tanks, Waggons, Tankstellen – weiter nutzen. Für Wasserstoffgas müsste dagegen weltweit eine völlig neue Infrastruktur errichtet werden.
Dass er diese Debatte kurz vor seinem 90. Geburtstag mit solcher Energie führt, verleiht dem Buch eine besondere Dimension. Jean Pütz will nicht nur erklären, was falsch läuft. Er möchte zeigen, was möglich wäre.
Sein Schlussgedanke bringt diese Haltung auf den Punkt: Es gehe darum, das Problem realistisch zu betrachten, eine praktikable Lösung zu finden und selbst mit 90 Jahren nicht zu resignieren.
Der Vernunft und der Logik eine Chance!
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